Tania Blixen – Jenseits von Afrika – in Rungstedlund

Porträt Karen Blixen

Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngongberge.

Dieser, der erste Satz aus dem Roman „Afrika, dunkel lockende Welt“ von Tania Blixen, hat sich schon vor Jahren in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie alt ich war, als ich das Buch zum Film „Jenseits von Afrika“ zum ersten Mal las. Vermutlich war ich fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, und die Sprache und die unglaubliche Stärke und Tatkraft von Tania Blixen, die im wirklichen Leben Karen (Tanne) hieß, faszinierten mich unglaublich stark. Die tragische Liebesgeschichte rund um Denys Finch Hatton sowie ihre Liebe zu den Menschen und zur Natur tat ihr Übriges, sie in die Liga meiner Lieblingsautorinnen neben Simone de Beauvoir und Doris Lessing zu katapultieren.

Rungstedlund, der Familiensitz und Ort, an dem Karen Blixen ihre Bücher schrieb, liegt rund 30 Kilometer nördlich von Kopenhagen. Bei der abendlichen Fahrt nach Rungstedlund wusste ich, wie sich mein Sohn kurz vor dem Besuch von Legoland gefühlt haben musste. Eine Umleitung führte uns durch eine noble Villensiedlung und vorbei an einem nicht weniger noblen Yachthafen. Hier lässt es sich ganz offensichtlich sehr gut leben. Das Museum hatte an diesem Tag schon geschlossen, aber bot wunderbar schattige Parkplätze zum Übernachten an. Besser geht es nicht, als gleich an Ort und Stelle zu bleiben und den „Spirit“ einzuatmen. Nach dem heißen Tag in Kopenhagen stürzten wir uns dankbar in den kühlen und öffentlich zugänglichen großen Park, der zum Anwesen gehört. Fast andächtig gingen wir die Wege entlang bis zu einer weißen Holzbrücke. Karen Blixen wollte aus dem Park ein Refugium für die Vögel machen und rief schon damals eine Fundraising-Aktion ins Leben, bei der 80.000 Dänische Kronen für den Rundstedlund-Fond zusammen kamen.

Am Morgen wanderten wir durch den noch taunassen Wald zum Grab von Tania Blixen. Die Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch das dichte Blätterwerk, die Vögel zwitscherten und wir schritten wie durch einen Blättergang zur Buche, unter der Karen Blixen nach afrikanischer Sitte begraben liegt. Eine verdorrte Wiese und ein auf afrikanische Art geflochtener Zaun ließen uns glauben, wir stünden in Kenia. Bewegt hielten wir inne.

Der Haupteingang zum Museum befindet sich im Westflügel des Anwesens, das früher als Wagendurchfahrt, Pferdestall und Heuboden diente. Heute beherbergt das restaurierte Gebäude einen Museumsshop, die Ausstellungsräume und ein Café. In den Wohnräumen des Nordflügels stehen die originalen Möbel noch genauso, wie Karen Blixen sie einrichtete. In allen Räumen befinden sich frische Blumen, die jeden Morgen in einem wunderschönen Garten im Park geschnitten und in Vasen drapiert werden. In Videos und auf Tonbandaufnahmen von Interviews hörte ich erstmals die tiefe, fast männliche Stimme von Karen Blixen, die Zeit ihres Lebens gerne und viel geraucht hat.

Meine Familie schenkt mir den ganzen Vormittag, damit ich in die Welt von Karen Dinesen (so ihr Taufname) eintauchen kann. Ehrfürchtig betrachte ich den Grünen Salon, in dem sie ihre Bücher schrieb. Ich kenne wie die meisten nur ihr Hauptwerk „Afrika, dunkel lockende Welt“. Tania Blixen hat ihre Werke unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht. Ihr erstes Werk war „Seven Gothic Tales“, die zuerst in Amerika und erst später in Dänemark erschienen.

Wie mag sich Tania Blixen gefühlt haben, als sie nach siebzehn Jahren als freie und unabhängige Frau, Herrin auf ihrer afrikanischen Farm, in das bürgerliche Dänemark zurück kam? Lassen wir die Autorin selbst sprechen (aus einem Interview in Politiken, Kopenhagen, 10.9.1934):

Da draußen sehnte ich mich nach Dänemark, und jetzt habe ich Heimweh nach Afrika, wie soll ich hier für immer Wurzeln schlagen?… Wenn ich hier leben soll, ist es nur möglich, indem ich mein Dasein so einrichte, dass ich mit den Menschen im Alltagsleben in Berührung komme, wie ich es in Kenia tat.

Durch den Erfolg ihrer Werke und ihr Talent, sich medial zu präsentieren und Menschen um sich zu versammeln sowie einer treuen Dienerschaft, die sie ergeben umsorgte, lebte sie ein Leben im Wechsel zwischen ihren Reisen zu Vorträgen, Interviews und Empfängen und einem oft durch Krankheit und Schmerzen geprägten Leben in Rungstedlund.

I am a storyteller

Tania Blixen starb 1962 77-jährig und hat Afrika nie wiedergesehen.

Ich habe auf den großen Ebenen Gras brennen und nach dem Regen wieder sprießen gesehen, ich habe Somalis, Kikuyus und Massai zu Freunden gehabt, ich bin über die Ngong-Berge geflogen…

Aus einem Brief an die Mutter, 17.3.1931

 

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