Gletscher-Eis im Hochsommer

Gletscher Buarbreen

Wirkliche Abenteuer bekommt man nicht einfach geschenkt – die muss man sich verdienen. Zum Beispiel mit einer halsbrecherischen Fahrt zum Ausgangspunkt einer Wanderung zum Gletscher Buarbreen.

Aber ich greife vor. Zuerst einmal reisten wir auf der Straße der hunderttausend Eindrücke in den Hardanger Nationalpark an. Tosende Wasserfälle, die trotz der ungewöhnlichen Hitze Massen an Wasser ins Tal beförderten.

Wir fuhren vorbei an Fjorden und erhaschten immer wieder einen Ausblick auf ein Gletscherfeld. In ODDA brachten wir unser Wohnmobil zum Stehen und tauchten in die Atmosphäre des Ortes ein. Jeder schien gerade von einer Wanderung zu kommen oder bereitete sich auf den nächsten Hike vor. Auch wir erkundigten uns, welche Route mit Kindern in unserem Alter am einfachsten zu gehen war. Wir wählten uns die Tour zu den Ausläufern des Buarbreen-Gletschers aus. Der einzige Haken an der Sache war, dass die Zufahrtsstraße zum Gletscherparkplatz eine Breitenbeschränkung von zwei Metern hat. Unser Wohnmobil hat allerdings eine Breite von 2,20 Metern. Mein Mann wäre nicht mein Mann, wenn er es nicht wenigstens versuchen würde. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich in solchen Situationen Blut schwitze. Die Straße wurde immer steiler und unter den Felsüberhängen immer enger. Als ich schon dachte, es geht gar nichts mehr, kam uns ein VW-Bus entgegen. Da ohnehin nur wenige Zentimeter zwischen den Fahrzeugen waren, konnte Harald den Fahrer leicht fragen, ob es am Ende der Straße überhaupt eine Möglichkeit gab, unser Wohnmobil abzustellen. Er lachte und meinte: „There is enough space for big cars!“ Wir konnten es immer noch nicht so recht glauben, aber  plötzlich standen wir direkt vor einem norwegischen Bauernhof und dahinter lag ein großer PARKPLATZ.

Dankbar verließen wir das Wohnmobil, lobten Harald und das Fahrzeug und waren echt beeindruckt von der Naturkulisse. Über uns leuchtete der Buarbreen-Gletscher herunter, neben uns toste ein Gebirgsbach vorbei und ein paar mutige Wanderer nahmen ein kurzes Bad im eiskalten Naturpool.

Zur Feier des Tages kochten wir eine Fischpfanne mit Basmatireis und zum Anstoßen gab es Weißwein und Saft. Als wir gerade gemütlich zusammen saßen, toppte ein Neuankömmling neben uns alles, was wir an diesem Tag gesehen hatten. Falls er das jemals lesen wird, bitten wir ihn jetzt schon recht herzlich um Entschuldigung, aber die Situation war einfach zu köstlich. Ein Wohnmobil in unserer Größe hält neben unserem. Wir gratulieren ihm innerlich, dass er die Anreise ebenfalls gut geschafft hat und beobachten, wie das junge Pärchen einen Standplatz aussucht. Es wird mal der, dann der Platz gesucht, schließlich parken sie rückwärts neben uns ein. Da sie uneben stehen, wird zuerst ein Keil untergelegt. Als der Keil nicht den gewünschten Erfolg bringt, folgt auf den Keil ein Brett. Ich schwöre Euch, ein Krimi kann nicht spannender sein. Auch diese Konstruktion führte nicht zur Waagrechten, also folgte dem Keil und dem Brett noch ein Rundholz. Ich bin technisch wirklich nicht sehr begabt, aber das war sogar für mich sofort klar, dass das nicht gutgehen konnte. Sprach´s und in dem Moment krachte es. Das Brett zerbrach, das Rundholz und der Keil schossen in verschiedene Richtungen. Ein Franzose, der in seinem Lieferwagen zu schlafen gedachte, brachte dem Fahrer den Keil geschüttelt vor lauter Lachen zurück, der in seine Richtung geflogen waren. Wir vier hielten uns die Bäuche vor lauter Lachen. Ein besseres Abendprogramm hätten wir uns nicht wünschen können!

Am nächsten Tag rüsteten wir uns für alle Wetterbedingungen und gut eingecremt für den Aufstieg zur Gletscherzunge. Eine wunderbare, anspruchsvolle Familienwanderung über Steine, Steige mit einigen Kletterpartien mit Seil durch den Wald, vorbei an Bisons und auf Steinen über Gebirgsbäche. Immer wieder erhaschten wir einen Blick auf den Gletscher, bevor er hinter der nächsten Biegung verschwand. Nach eineinhalb Stunden einfacher Wegzeit bergauf kamen wir ganz in der Nähe des Ausläufers an und suchten uns ein Plätzchen zum Jausnen und Staunen. Eine derart schöne Wanderung in so einer unglaublichen Umgebung haben wir noch nie gemacht!! Und wir sind so stolz auf unsere Kinder, dass wir mit ihnen solche Touren machen können!!!

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