Frau am Steuer…

Frau am Steuer

Als wir unser erstes Wohnmobil kauften, einen Knaus Traveller auf einem Fiat Ducato aufgebaut, konnte ich mir unmöglich vorstellen, jemals damit zu fahren. Zu breit, zu hoch, einparken ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Mit der Zeit wurde aber klar, auch ich muss in der Lage sein, den 3,5-Tonner zu bewegen, sollte mein Mann einmal nicht fahren können. Gesagt getan, ich nahm meine erste Fahrstunde am schweren Gerät auf einer breiten, übersichtlichen Bundesstraße. Alles lief gut, bis mein Mann meinte, ich solle an der Bushaltestelle anhalten.

  1. Warum man immer einen Blick nach oben riskieren sollte.

Die Bushaltestelle hatte nämlich ein Flugdach. Und die Kombination Flugdach und Alkoven ist keine gute. Die Reparatur eines aufgeschlitzten Alkovens kann schon mal in die tausende Euro gehen… Gott sei Dank ist nichts passiert.

Frau ist natürlich lernfähig und bei meinem nächsten Fahrtraining, diesesmal auf der Autobahn, galt mein erster Blick als ich langsam auf die Mautstelle zurollte, der Höhe der Mautstation. Alles gut, Höhe kein Problem. Ich rollte weiter langsam auf die Mautstelle zu, als plötzlich die Kassiererin panisch aus ihrem Kassenhäuschen heraussprang und wie wild winkte. Auch mein Mann, der bei den Kindern hinten war, wurde leichenblass. „Brems sofort!“

2. Warum man immer wissen sollte, wie breit das eigene Fahrzeug ist.

Jetzt erst erkannte ich den Ernst der Lage: unser 2,20 Meter breites Wohnmobil passte von der Breite her einfach nicht durch die Mautstelle und die Kassiererin hatte berechtigte Angst, dass ich sie mitsamt ihrem Häuschen ramme. Wieder etwas dazugelernt! Es dauerte aber einige Zeit, bis ich mich wieder hinter das Steuer traute.

3. Warum gut aussehen alleine nicht reicht.

Wenn man mit einem 3,5-Tonner unterwegs ist, reicht es nicht aus, nur gut damit auszusehen. Frau erntet zwar viele bewundernde Blicke so nach dem Motto: „Die traut sich etwas!“ Doch jeder Fahrfehler wird umgehend geahndet. Ich werde bestimmt nicht mehr bergauf überholen. Die lange Schlange, die sich hinter uns gebildet hat, war „not amused“.

Mit jedem Mal hinter dem Lenkrad unseres Fiat Ducato lerne ich dazu und Mann und Kinder sind ziemlich stolz, wenn ich uns ab und an durch die Gegend kutschiere. Meistens bin ich aber sehr froh, entspannt als Co-Pilotin auf dem Beifahrersitz zu sitzen und das Cruisen abseits von Höhen- und Breitenbeschränkungen genießen zu können.

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